Kampagne Fairtrade-Gemeinde Inning

In diesem kurzen Video werden Probleme mit den nicht fair und billig produzierten Lebensmitteln an einem Beispiel klar veranschaulicht: Frauen zerstören ihre Hände und ihre Gesundheit beim Schälen von Cashewnüssen. Bei fair produzierten Lebensmitteln passiert das nicht: https://www.facebook.com/watch/?v=382690935702720

 

Die Bewerbung: Auch unsere Gemeinde bewirbt sich für die Auszeichnung Fairtrade-Gemeinde. Mittlerweile lebt die Hälfte der Deutschen Bevölkerung in Fairtrade-Kommunen. Die Kampagne bringt alle Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft in der Gemeinde zusammen, die sich für den fairen Handel einsetzen. Auch unsere Gemeinde setzt dadurch ein Zeichen für faire Preise vor allem in der Landwirtschaft, für faire Arbeitsbedingungen, gegen ausbeuterische Arbeit und gegen Kinderarbeit nicht nur im globalen Süden.

Global denken, lokal handeln: Kommunen sind die politische Ebene, die am Nächsten zum Bürger ist. Hier sind Veränderungen und Umsetzungen direkt sichtbar.

Welche Produkte sind hiervon betroffen: Fairtrade konzentriert sich auf Produkte aus dem globalen Süden, wie Kaffee, Tee, Rohrzucker, Bananen, Kakao, Gewürze, Baumwolle und andere Rohstoffe der Landwirtschaft, sowie auf den Bergbau (Gold, Edelsteine, seltene Erden und Mineralien für die Herstellung von technischen Geräten), die Bekleidungsindustrie, Sportgeräte und Spielwaren. Rohstoffe und Produkte, die aus dem globalen Norden stammen, gelten überwiegend als gerecht hergestellt, da hier Menschenrechte, Arbeitsrechte, strenger Arbeitsschutz und soziale Standards gelten.

Die Kriterien: Auf dem Weg zur Auszeichnung gibt es diverse Kriterien zu erfüllen. Im Einzelhandel und in der Gastronomie ist es die Führung von fair gehandelten Lebensmitteln im Sortiment, bei den anderen Akteuren die Durchführung von Informationsmaßnahmen. Sollten Sie Interesse haben an diesem Projekt mitzuwirken oder Sie haben Fragen, wenden Sie sich an unsere Gemeinderätin Agnes Pfeuffer: agnes.pfeuffer@remove-this.gruene-inning.de.

 

Aktionen - auf dem Weg zur Auszeichnung

 

Haus für Kinder St. Johannes

Die Leitung und der Elternbeirat des Hauses für Kinder St. Johannes setzten sich dankenswerter Weise als erste Teilnehmer in der Kampagne ein. Am 07.12.2020 haben die Kinder zertifizierte Schoko-Bischöfe erhalten. Diese Schokolade ist ein Direktimport mit Unterstützung kleiner Handelspartner, hergestellt aus fair gehandelten hochwertigen Zutaten und mit Milch aus Bayern, garantiert ohne gesundheitsschädigende Kinderarbeit in der Kakaoproduktion. Ein Großteil des gesamten Kakaos weltweit stammt aus nur zwei Ländern, nämlich aus Ghana und der Elfenbeinküste. Die Regierungen dieser Länder versuchen aktuell den Weltmarktpreis für Kakao zu erhöhen, denn die Kakaobauern gehören zu den Ärmsten weltweit.

Sportverein Inning

Unser Inninger Sportverein hat im Dezember am Fußballquiz des Eine Welt Netzwerks Bayern teilgenommen und zwei hochwertige Fairtrade Fußbälle in Matchball-Qualität gewonnen. Die Übergabe erfolgte am 04.01.2021. Mit Unterstützung wird unser Sportverein weitere fair gehandelte Ausrüstung erwerben. Fair hergestellte Fußbälle tragen auch zur Geschlechtergerechtigkeit bei, denn Fußbälle werden interessanterweise überwiegend von Frauen hergestellt. „Welthauptstadt“ der Fußballproduktion ist Sialkot im Nordosten Pakistans, wo 700 Hersteller jährlich bis zu 70 Millionen Fußbälle produzieren.

Rewe to go / Aral

Im Februar hatten Kundinnen und Kunden die Möglichkeit bei der Aral Tankstelle weitere Informationen zum Thema Fairtrade zu erhalten. Rewe To Go schenkt ausschließlich Fairtrade Kaffee, Tee und Zucker aus.

Hofmetzgerei Broslhof, Gasthof zur Post, Nenei, Taverne Athina, Trendhaus

Im März hatten Kundinnen und Kunden die Möglichkeit bei unseren Inninger VersorgerInnen weitere Informationen zum Thema Fairtrade zu erhalten.

Denk Mit Kinderkrippe und Gemeindekindergarten Ammerseepiraten

Die Kinder im Gemeindekindergarten und in der Denk mit Kinderkrippe erhalten zu Ostern als Überraschung Schokolade aus fairem Handel.

Rathaus

Bei Besprechungen im Büro des Bürgermeisters und in den Sitzungen des Gemeinderats – sollten Kaffee und Verpflegung angeboten werden – werden diese auf die Fairtrade-Variante umgestellt.

Inninger Grundschule und Pfarrgemeinderat

Im Lehrerzimmer der Inninger Grundschule wird seit Februar 2021 Fairtrade-Kaffee getrunken. Auch in den Gremien der Pfarrgemeinde wird verstärkt auf fairen Handel gesetzt.

Nachbarschaftshilfe

In der Tagespflege der Nachbarschaftshilfe wird ab sofort Marmelade aus fair gehandelten Zutaten verwendet.

 

Was ist Fairtrade?

Fairtrade wirkt positiv auf folgenden Problemfeldern: Welternährung, Weltfrieden, Ethisch-moralisch problematische Entwicklungen, Nachhaltigkeit

Als Fairtrade wird ein kontrollierter Handel bezeichnet, bei dem die Erzeuger für ihre Produkte einen Mindestpreis erhalten, der von einer Fair-Trade-Organisation bestimmt wird.1 Das Ziel ist Kleinbauerfamilien in Entwicklungs- und Schwellenländern menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu bieten.2 Denn 70% der Weltbevölkerung wird von Kleinbauerfamilien ernährt, die weniger als 2 Hektar Land besitzen. Genau diese Welternährer leiden meistens unter Hunger. Fairtrade verbindet Konsument*innen und Produzent*innen und verändert Handel zu einem echteren Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, in dem Preisvorgaben von Zwischenhändlern und Großkonzernen nicht mehr die einzigen Vorgaben sind. Die international geltenden Standards3 für Produkte setzt Fairtrade International (FLO)4 als größte Organisation. Die Umsetzung kontrolliert weltweit die FLO-CERT GmbH5. Das Naturland Fair-Siegel wird auch für Produkte aus dem globalen Norden verwendet. Die World Fair Trade Organisation (WFTO)6 vertritt die gesamte Handelskette vom Produkt bis hin zum Verkauf. Sie kontrolliert, ob Unternehmen ganzheitlich fair handeln. Ein Erklär-Video: youtube.com/watch?v=MrSIKTNRibE

Regionalität und Weltfrieden

Hungerkatastrophen sind oft in Verbindung mit übertriebenen Erwartungen an Exportschlager entstanden (auch nicht landwirtschaftlicher Art), weil die regionale Versorgung vernachlässigt wurde. Hunger führt zu unkontrollierbarer Migration, die den Frieden gefährdet und hohe Kosten verursacht. Weitere Vorteile regionaler Lebensmittelversorgung sind kurze Transportwege, direkter Kontakt zu LandwirtInnen und ProduzentInnen, bessere Einschätzung des Bedarfs und des Angebots und weniger Verschwendung und weniger Abfall. Kein Land ist allerdings in der Lage, sich selbst zu versorgen. In Europa fehlt es an frischem Obst, Gemüse und Eiern. Wenn wir Lebensmittel aus anderen Ländern kaufen, sollten wir darauf achten, wie sie angebaut wurden. Der Anbau ist relevant. Ganzjährig beheizte Gewächshäuser schaden der Umwelt mehr als sehr lange Transportwege. Wir können Regionalität im globalen Süden genauso unterstützen, damit sie dort auch stabil bleibt: durch gerechte Bedingungen. Dafür steht Fairtrade. Im globalen Norden gehen wir davon aus, dass gerechte Bezahlung, Arbeitsschutzmaßnahmen und Regionalität durch Gesetze gut funktionieren, deswegen gibt es hierfür im globalen Norden keine Zertifizierung (außer Naturland).

Fairer Handel und die Kirchengemeinden

Auch wenn heute fair gehandelte Produkte in jedem Supermarkt, jedem Bioladen und in einigen Geschäften und Gastronomiebetrieben erhältlich sind, ist sein kirchlicher Bezug doch nach wie vor spürbar und entscheidend. Der faire Handel ist aus der Initiative der evangelischen und katholischen Jugendverbände mit Unterstützung der Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt entstanden. Misereor entstand 1959, als Hilfswerk der katholischen Kirche, das zur raschen Ausweitung des alternativen Handels in Deutschland beitrug. 1970 setzten sich die beiden christlichen Jugendverbände AEJ und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDJK)  vier Ziele: Bürger zu informieren,  benachteiligten Kleinbauern Verkaufsmöglichkeiten zu verschaffen, Genossenschaften und Entwicklungsprojekte zu fördern. Damals wie heute engagieren sich tausende Ehrenamtliche in Kirchengemeinden, Verbänden und Gruppen. Die kirchlichen Hilfswerke und Jugendverbände tragen die GEPA, Europas größtes Fair-Handels-Haus, und sind Mitglied von Fairtrade Deutschland. Auch in unserer Kirchengemeinde in Inning engagieren sich Freiwillige seit Jahrzehnten.

Ausbeuterische Kinderarbeit ist keine Ausnahme

Wir als Konsumenten können großen Einfluss auf das Verhalten von Firmen bezüglich Kinderarbeit ausüben. Durch nachhaltigeren Umgang und Einkauf aus zertifizierten Quellen können wir viel bewirken. Fast jedes zehnte Kind muss auf der Welt arbeiten gehen. Um die Familie ernähren zu können, bleibt den Eltern oft kein anderer Ausweg, als den Nachwuchs arbeiten zu schicken und auf den Schulbesuch zu verzichten. Kinder werden vor allem in der Textilindustrie, im Kakaoanbau und im Bergbau eingesetzt. Sie werden in spärlich beleuchteten Textilfabriken an lauten Maschinen eigesetzt. Sie setzen sich körperlichen und seelischen Gefahren aus, während sie Textilwaren herstellen. Kinder werden verschleppt und als Kindersoldaten missbraucht, um umkämpfte Rohstoffe und Bodenschätze günstig abzubauen, die für Unterhaltungselektronik und Mobiltelefone benötigt werden. In Westafrika, wo das meiste Kakao für den weltweiten Konsum angebaut wird, arbeitet ca. die Hälfte der Kinder aus LandwirtInnenfamilien unter schlimmsten Bedingungen. Selbst von der teuersten Schokolade bleiben ihnen nur wenige Cents übrig.

1: www.de.wikipedia.org/wiki/Fairer_Handel
2: www.fairtrade-deutschland.de/was-ist-fairtrade.html
3: www.fairtrade.net/standard
4: www.fairtrade.net/
5: www.flocert.net/de/
6: www.de.wikipedia.org/wiki/World_Fair_Trade_Organization