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Fr. 19 Juni 2026
OV Tutzing

Zeitloser Widerstand: Filmabend und Kinogespräch mit Hans Well im Kulturtheater Tutzing

Wann

Freitag, 19. Juni 2026, 19:00 Uhr – 22:00 Uhr

Wo

Kulturtheater Tutzing
Kirchenstraße 3, 82327 Tutzing

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Veranstalter

OV GRÜNE Tutzing

Wir laden zu einer historisch-politischen Abendveranstaltung ein. Im Mittelpunkt stehen der preisgekrönte Dokumentarfilm „Spaltprozesse“ über den Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf und das anschließende Kinogespräch mit dem bekannten Musiker und Satiriker Hans Well.

Mittwoch, den 17.6.26 | 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) | Kulturtheater Tutzing

Der Anlass ist hochaktuell: 2026 jähren sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und der Protest gegen die geplante WAA Wackersdorf zum 40sten Mal. Der Film „Spaltprozesse“ (von den Regisseuren Bertram Verhaag und Claus Strigel) dokumentiert eindringlich die damaligen Ereignisse und den breiten zivilen Ungehorsam in der Oberpfalz. Auch das Datum der Veranstaltung ist bewusst gewählt: Der 17. Juni markiert den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 und steht symbolisch für den Mut zu gesellschaftlichem Protest.

Lokaler und nationaler Bezug zur Tagespolitik
Der Abend mit Film und Diskussion schlägt die Brücke von den Anfängen der Anti-Atomkraft-Bewegung bis heute. Das Ringen um die Atomkraft hat an Aktualität nicht verloren. Im Tutzinger Gemeinderat steht im Juli ein Antrag der Grünen auf der Tagesordnung, Atomkraftanlagen und Lagerung von radioaktiven Abfällen auf gemeindlichen Boden zu verbieten. Und – vor dem Hintergrund neuerer bundespolitischer Forderungen, gewinnt die Debatte um den Bau sogenannter kleiner, modularer Atomreaktoren an Dynamik.

Gesellschaftlicher Protest als roter Faden
Thema ist, wie sich Formen des Widerstands in Gesellschaften wandeln und wie die Reaktionen darauf aussehen. Damals wie heute wirft der Umgang mit Protestbewegungen Fragen auf: Parallelen lassen sich zu modernen Bewegungen wie Fridays for Future oder Klima- und Tierschutzaktivisten ziehen, deren Aktionsformen in der Öffentlichkeit und von der Justiz teils intensiver verfolgt werden als der damalige Widerstand in Wackersdorf.

Prominenter Gast: Hans Well im Gespräch
Als besonderer Gast und Gesprächspartner des Abends konnte Hans Well von den Wellbappn gewonnen werden. Als Mitglied der legendären Biermösl Blosn repräsentiert er eine der prägenden kulturellen Stimmen des Wackersdorf-Widerstands. Die Musiker traten regelmäßig bei den Protesten im damaligen Hüttendorf sowie beim legendären Anti-WAAhnsinns-Festival 1986 auf und machten den Protest durch ihre politischen Lieder weit über die Region hinaus bekannt und hörbar. Hans Well wird live und aus erster Hand von den damaligen Erfahrungen berichten und die Brücke zur Gegenwart schlagen.

Die Veranstaltung spricht ausdrücklich auch ein junges Publikum an. Sie schafft Raum für Fragen, Diskussionen und neue Perspektiven auf Demokratie, Zivilcourage und die Geschichte des Umweltengagements – Themen, die aktueller sind denn je.

Veranstaltungsdetails:
Termin: Mittwoch, 17. Juni
Ort: Kulturtheater Tutzing
Einlass: 18:30 Uhr | Beginn: 19:00 Uhr
Eintritt: Erwachsene: 15 Euro | Jugendliche und Schüler: 5 Euro
Kartenreservierung unter: vorstand@gruene-tutzing.de

Filmbeschreibung:
SPALTPROZESSE ist der erste von drei Dokumentarfilm der Autoren Bertram Verhaag und Claus Strigel zur Atom-Thematik.

»Spaltprozesse – Wackersdorf 001« kennzeichnen das Leben in der Oberpfalz; Spaltprozesse vollziehen sich unter den Menschen in der ländlichen Region um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA): Seit Bekanntwerden des endgültigen Standorts der WAA am 4. Februar 1985 haben viele Oberpfälzer ihre gewohnten Bahnen verlassen.

Der Film eröffnet einen tiefen Einblick in landschaftliche, ökologische Zerstörung, schildert die mit dem Bau einer WAA verknüpften atompolitischen Absichten, verdeutlicht die Gefährdung der Bevölkerung durch radioaktive Schadstoffemissionen. Dabei stehen die bedrohten Menschen der Region in ihren persönlichen und politischen Veränderungsprozessen eindeutig im Vordergrund. Ehemals staatsgläubige Bürger wandeln sich in zaghafte Radikale. Beamtinnen, Hausfrauen und Mütter zeigen ein politisches und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein, das über ihre anfängliche reine Empörung weit hinausreicht. Männer in lokaler Honoratiorenstellung scheuen weder offene Worte noch aktive Solidarität mit »Chaoten« bei CS-Gaseinsätzen am Bauzaun. Menschen äußern ihre ohnmächtige und kämpferische Wut bei sich zu Hause wie auch Auge in Auge mit bewaffneten, schildbewehrten Polizisten inmitten von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen.

Der Film weckt »zugleich die Hoffnung, dass die Menschen politisch handeln mögen: Gegen Umweltzerstörung und die sogenannte friedliche Nuklearwirtschaft« ~ Jury der Evangelischen Filmarbeit

Preis der deutschen Filmkritik: „In überzeugender Gestaltung erschließt der Film dem Zuschauer herausfordernde Informationen zur Auseinandersetzung um die WAA Wackersdorf. Differenziert stellt der Film individuelle Bewusstseinsprozesse dar und eröffnet so einen emotionalen Zugang zum existentiellen Kampf einer ganzen Region.“

Spaltprozesse erhielt insgesamt 12 Preise und Auszeichnungen.