Lang geschoben, am Ende zerredet: In der Gemeinderatssitzung am 7. Juli stand der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen für eine zukunftsfähige Energie- und Klimastrategie ohne Atomkraft endlich zur Abstimmung. Bereits am 30. Januar eingebracht, war die Entscheidung im alten Gemeinderat auf Antrag des CSU-Fraktionsvorsitzenden mit Verweis auf die Bedeutung des Themas verschoben worden. Doch statt der erhofften weitsichtigen Debatte erlebten wir eine Blockadehaltung
Wie es anders und besser geht, zeigt der Blick nach Starnberg: Am 26. März 2026 verabschiedete der Stadtrat einen fast identischen Antrag der dortigen Grünen-Fraktion einstimmig.
Parteiübergreifend wurde beschlossen, Optionen für Beteiligungen an kerntechnischen Anlagen nicht zu verfolgen und in der Bauleitplanung keine Flächen dafür vorzusehen. Damit hat Starnberg frühzeitig eine klare kommunalpolitische Position bezogen und Orientierung für künftige Entscheidungen geschaffen.
In Tutzing bot sich ein völlig anderes Bild. Während unser Gemeinderat Bernd Pfitzner den Antrag noch einmal begründete, zog die konservative Mehrheit dessen Notwendigkeit komplett in Zweifel. Mit dem Verweis auf das ohnehin bestehende Ziel „Tutzing Klimaneutral 35“ wurde der Antrag auf die erneuerbaren Energien reduziert – die ausdrückliche Absage an die Atomkraft, wie sie Starnberg beschlossen hat, wollte die Mehrheit in Tutzing politisch nicht mittragen.
Punkt 3 ‚Keine Flächen für Atomanlagen‘ lehnte die Mehrheit mit dem Hinweis ab, hierfür sei allein der Bund zuständig und die Gemeinde habe keine Entscheidungskompetenz. Wir zogen diesen Punkt daraufhin als Zugeständnis zurück. Punkt 2 ‚Keine Beteiligung an kerntechnischen Anlagen‘ wurde als kommunal nicht relevant abgetan. Übrig blieb am Ende nur Punkt 1, dem auch die konservative Mehrheit mit dem Hinweis „Das machen wir ja eh“ zustimmen konnte. Begleitet wurde die Debatte von dem Hinweis, wir sollten keine Vorgaben der „Landesleitung“ umsetzen, unsere Hausaufgaben machen und die Zeit des Rates nicht mit plakativen Anträgen verschwenden.
Wir sehen das grundlegend anders. Mit dem ursprünglichen Antrag hätte der Gemeinderat ein klares politisches Signal gesetzt: Wir wollen keine Atomanlagen in Tutzing. Angesichts bundesweiter Debatten über dezentrale, kleine modulare Reaktoren (SMR) ist das keine abstrakte Debatte, sondern eine Frage kommunaler Zukunftsgestaltung und Daseinsvorsorge. Starnberg hat diese Weitsicht bewiesen – bedauerlich, dass Tutzing diese Chance verpasst hat.